Als ich vor Jahren meine Ausbildung in der Psychosomatischen Medizin begann ging mir erstmals das Herz auf. In all den Jahren meiner schulmedizinischen Ausbildung vermisste ich immer mehr eine allumfassende Sichtweise auf den Menschen. Im Gegenteil – in den Institutionen, in denen ich meine Ausbildungen absolvierte (Universität, Kliniken und Krankenhäuser) fühlte es sich so an, als würde der Mensch in Teile gebrochen und wir sollten ausschließlich den Körper behandeln. Die Strukturen und die Organisation der Abläufe dieser Institutionen trugen maßgeblich dazu bei, dass weder ein zeitlicher noch ein ideeller Raum für mehr blieb.
Es zog mich seit früher Jugend bereits zum „Psychischen“ hin, zu dem, womit sich ein Mensch emotional und kognitiv auseinandersetzt. In der Hoffnung, die Synthese aus Körper und Geist zu erfahren, nahm ich mir vor, mich in der Psychotherapie und der Psychiatrie weiter zu bilden. Doch ich fand hier genauso eine Spaltung von Körper und Psyche vor, außerdem empfand ich die Herangehensweise an den Patienten als distanziert und nur vordergründig empathisch. Die Begegnung von Mensch zu Mensch wurde von einem Hierarchiegehabe verunmöglicht. Tiefer gehende Auseinandersetzung mit der Individualität eines Hilfesuchenden/einer Hilfesuchenden wurde mitunter sogar als störend, im besten Fall als zu zeitaufwendig betrachtet.
Wie bereits erwähnt fiel mein Verlangen nach einer Zusammenführung des Körper-Geist in der Psychosomatik schließlich auf fruchtbaren Boden. Und vorerst war ich sehr glücklich über das neu erworbene Wissen und den nun vollständigeren Zugang. Das sollte jedoch nicht das Ende sein…
Als ich mich selbst als menschliches Wesen, ja genau, als menschliches Wesen – hier auf der Erde – weiter zu entwickeln begann dämmerte mir eine zuerst schockierende Einsicht, die ich auch für mich selbst nicht sofort annehmen konnte. Ich begann mich mehr und mehr als spirituelles Wesen zu erfahren… Es gelang mir die negative Geprägtheit, im Zusammenhang mit den kulturell-religiösen Erfahrungen, die ich gemacht hatte, allmählich zu durchbrechen und mich ganz neu auf meine eigene Reise zu begeben. In meinem speziellen Fall war dies der Yoga und ich spreche hier nicht nur von den sogenannten „Asanas“ (Körperhaltungen), die den meisten bekannt sind. Je mehr ich mich nun endlich so „ganz“ erfahren durfte, wurde mir klar, dass eine Medizin, die diesen Teil in uns nicht anerkennt niemals vollständig sein würde und in ihren Therapiemöglichkeiten eingeschränkt bleiben würde. Zuerst dachte ich, es wäre verrückt! Ich hatte doch immer gelernt, dass „so etwas“ doch schon gar nicht Platz hätte in dieser seriösen Medizinwelt. Wenn schon die Psyche einen Mini-Platz zugestanden bekam – was würde die Welt davon halten, wenn ich es wagen würde (!) zu behaupten, dass das spirituelle Wesen in uns einen Platz in der Behandlung haben sollte? Ich bekam es ein bisschen mit der Angst zu tun. Einerseits war da diese „Wahrheit“, Einsicht, was auch immer, die ich für mich herausgefunden hatte und andererseits dieses riesengroße „Verbot“ der alten Herren, der Professoren, der vielen Vorgesetzten und Bücher, die ich gelesen hatte. Immer wieder dröhnte es mir im Kopf: „DAS IST NICHT WISSENSCHAFTLICH!“ und „DAS HAT IN DER MEDIZIN KEINEN PLATZ!“ Es war eine sehr unangenehme Übergangsphase…
Bis ich eines Tages etwas entdeckte – Ich entdeckte das älteste Medizinsystem der Welt – Ayurveda. Und ich konnte es kaum glauben! Alles vervollständigte sich zu diesem „GANZEN“, aber nun wirklich ganz! Samt Seele! Und ich verstand endlich, dass diese drei Kreise, die ich immer und immer wieder aufmalte ein Fundament der Betrachtungsweise des Menschen in diesem alten Medizinsystem war. Es war ja alles schon da auf dieser Welt – immer schon…
Ich war irgendwie „zu Hause“ angekommen, der Kampf war vorbei, es durfte SEIN. Dankbarkeit ist das Gefühl, das ich empfinde und fast eine liebevolle Hingebung zu diesem alten Wissen, welches uns als Menschen in unserer Gesamtheit/Ganzheit nicht im Stich lässt. Es ist keine Schande Spiritualität zu leben, es ist ein Grundbedürfnis. Und für all diejenigen, die dieses Bedürfnis leben und ausdrücken wollen ist es irgendwie traurig, wenn sie mit ihrem Arzt nicht einmal darüber sprechen können, wenn jener diesen Aspekt sogar kategorisch draußen hält und sich abgrenzt. Mir ist vollkommen klar, dass es wahrscheinlich ein kontroverses Thema ist, dem ich mich zuwende. Was in der alten Medizin-Lehre als selbstverständlich gilt, ist in der Modernen Welt (vielleicht aus purer Absicht…?) zurückgedrängt und tabuisiert worden. Wer weiß, was passieren würde, wenn die Menschen sich wieder auf die Reise begeben würden…? Und was wäre, wenn ihnen die Ärzte dabei helfen würden? Vielleicht wäre das sogar ziemlich unbequem für einige. Mehr Bewusstheit könnte natürlich in der Welt so Einiges verändern… Ich für meine Teil jedenfalls bin einfach nur glücklich die Möglichkeit einer nun WIRKLICH ganzheitlichen Sicht in der Tätigkeit als Medizinerin gefunden zu haben – nämlich die von
KÖRPER – GEIST (Manah) UND SEELE (Atman)
Begriffe:
GEIST (Manah): = „(…) alle Denkprozesse, emotionale Regungen, gespeicherte Informationen und Eindrücke, Neigungen und Abneigungen“
SEELE (Atman): = „spiritueller Kern, ewiger Zeuge, eigenschaftslos und doch allwissend und allgegenwärtig, die Manifestation der uns alles zugrunde liegenden Einheit (…)“


